Niederdeutsche Sprache

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Niederdeutsche Sprache

 

Niederdeutsch oder Plattdeutsch wird die im Norden Deutschlands sowie im Osten der Niederlande verbreitete westgermanische Sprache genannt, die sich aus dem Altsächsischen entwickelt hat.

Die niederdeutschen Dialekte weisen noch heute Ähnlichkeiten mit dem Englischen und dem Friesischen auf, die auf einer gemeinsamen Herkunft dieser Sprachen beruhen.

Die Interessengruppe Niederdeutsch verfolgt das allgemeine Ziel, neues Interesse an der Pflege der niederdeutschen Sprache und der regionalen Volkskultur zu wecken, und diese Sprache möglichst lange am Leben zu erhalten, wie es die "Eikboom-Gedanken" von Egon Brauns zum Ausdruck bringen.

 

 

 

Höger Gewalt

(Egon Brauns)

 

Dit is nu uk wedder so'n Geschicht, dei will kein Minsch glöben. Man ick will mi nich dormit uphollen, lang un breit tau verkloren, dat sei liekerst wohr is.

Seggt har ick Rudi'n dat all miehr as twintigmal: Up dei Duer geiht dat keinen gauden Gang nich mit dien Garagendack. Dor ward di doch eis einer dörchbräken. Oewer hei meint ja ümmer, so doemlich künn dat gor nich kamen.

Künn dat oewer doch!

Platz un Geld hett hei sporen wullt un dorüm sien Garag' so in dat Äuwer rinarbeit’, dat einer von baben bald gor nich miehr gewohr warden künn, wur nu Anfang un End' von fasten Grund un Dack wier.

Na, einen Sommermorgen - noch wiet vör vernünftig Upstahnstiet - dor fohrt Rudi'n sien Fru up eis ut den' Schlap hoch un schriegt: "Wat wier dat, Rudi? Rudi! Wat is dat för'n Larm dor buten?"

Rudi kann noch gor nich recht ut dei Ogen kieken. As hei denn oewer dei Gardinen bisiet nimmt, kriggt hei dat grot Kniepögen.

"Minsch! - Manning! - Minschenskind!!" stamert hei un jappt na Luft. "Grot Loch - in't Garagendack!" Un sienen schönen, niegen Opel süht hei all as Totalschaden vör sich.

Wohrhaftig, dat Loch is grot naug, dat einer sich gaut vörstellen künn, dat Auto wier dor piel dörch in dei Luft schaten. Na, un dor binnen maracht doch noch wat!

An Rudis Fixigkeit künn sich nu sogor dei Füerwehr en Ogenspeigel nähmen. As unklauk stört't hei dei Trepp dal.

Den' Garagenschlötel hett hei man knapp rümdreihgt, dor ballert em all dei Dör vör’n Doetz. An em vörbi jagt wat Witt-Schwarts, un dat kennt hei uk von achtern: ne Kauh!

Vull Angst jagt dat Diert dei Dörpstrat längs. Kopp dal, Schwanz hoch, un dat Üder schlackert. Achterut fleigen dei Meßkluten.

"Olles Aas!" röppt Rudi ehr na un draugt mit dei Fust. Jä, so is dat äben: Schuld kriggt ümmer dei, wecker weglöppt.

Rudi verhalt sich bäten, un em ward fix klor, wat sich taudragen hett.

Dat Loch, wur nu dei blage Häben dörchkieken deit, kümmert em wenig. Väl länger unnersöcht hei sien Auto, un em ward glieks bäter tau Maut. Sien Fohrtüg is nich grot wat passiert. Dei schräge Hauw' hett woll mit dat äbenso glatte Fell von dei Kauh so gaut as "Schiefe Ebene" funktioniert, dat man ne lütt Bul un poor Kratzers in den' Lack tau finnen sünd.

"Oh, kiek eis! Dat is oewer noch gaut afgahn," seggt hei tau sien Fru, dei nu uk tau Stell is un weiten will, wat los is.

"Paß up, Rudi! Du perrst in dei...!" Oewer is all tau lat. Rudi humpelt up dei Hacken nah buten un kratzfäut't dor in't Gras un futert.

"Wenn du dor so dörchfollen wierst, würd di dat uk nich anners gahn sin," meint sien Fru drög. "Nu wes man froh. Dat har väl maller kamen künnt." Un dormit har sei woll recht.

Nu hett Rudi sien Auto intwischen wedder fein putzt un poliert. Hett ümmerhen noch utbult warden müßt. Dei Versicherungsminsch hett sich ierst noch ne Tietlang an'n Kopp kratzt, denn oewer sall

 

hei wat von Bagatellschaden un "höhere Gewalt" brabbelt hebben.

Nu is dat Garagendack uk wedder dicht, heff ick man seihn. Un baben langs hett Rudi en Gelänner ut iesern Ruhren in Beton sett´t.

Wurtau? Dor heff ick em nich na fragt. Mag sin, em is doch grugen worden vör ne Haud wille Mammuts orrer sowat.

Einer kann ja weckmals gor nich weiten, wur doemlich dat kamen deit.

 

 

Zeichnung: Egon Brauns

 

 

 

 

 

Eikbom-Gedanken

(Gedicht von Egon Brauns)

 

Eikbom-Gedanken

...hei ward noch stahn, wenn wedder mal dusend von Johren vergahn.

Fritz Reuter, „Hanne Nüte“, 15. Kap.

Jä, du, Fritz, un dien Eikbom dor; -

du hest em donmals mit dien Schrieben

in ’t Wassen bröcht, un hei künn drieben

un Wörtel schmieten Johr üm Johr.

Hüt möt dei plattdütsch Minsch ja gor

sich iernstlich üm den‘ Eikbom sorgen

un fragen: Wat ward mit em morgen?

Wur is dat mit dei dusend Johr?

Bi lütten warden wi gewohr:

Tau lang‘n hett hei sien Räuk nich kregen.

Wenn wi em nu nich trulich plegen,

denn ward dat nicks mit dusend Johr.

Un dorüm, Fründ, stah nich un rohr!

Lat’t frisch den‘ Boom uns wohrn un hegen,

wenn denn nich anners, mienetwegen

mal ierst dei neegsten hunnert Johr.

Dor helpt kein Janken un kein Wünschen,

kein Klagen, Droenen nich un Beden.

Wat eben nödig deit, sünd Minschen,

dei noch un wedder plattdütsch reden.

Zuerst stirbt die Sprache,

dann die Kultur.

Niederdeutsches Lexikon

"upfidummen" - Wort des Jahres 2005

"öllerhaftig" - Wort des Jahres 2011

„langtöögsch“ - für „langsam und pomadig“ (Wort des Jahres 2012)

"rallögen" - besinnungslos oder schlaftrunken die

Augen verdrehen, verwundert gucken, Wort des Jahres 2013

"kommodig" - angenehm Wort des jahres 2015

"Dwarsdriewer" - Quertrteiber, Querulant, Wort des jahres 2017

"Hartpuckern" - Herzklopfen, Wort des jahres 2018

 

neue Wörter:

„Biojüch“ für den Kraftstoff E10.